Rückraum

ZOB, zentraler Omnibus Bahnhof in Hannover 2009

Wie sagte Stadtbaurat Uwe Bodemann vor einiger Zeit im Rahmen der Hannover City 2020 Diskussion? Hannovers Innenstadt sei irgendwie „unräumlich“. Solche Orte wie den ZOB, den Zentralen Omnibus Bahnhof, muss er dabei vor Augen gehabt haben. Nun gut, Klagesmarkt und Steintor sind auch nicht wesentlich attraktiver, werden aber immerhin abwechslungsreich bespielt. Der ZOB hingegen siecht vor sich hin und die westlich angrenzende Bebauung aus Supermarkt- und Hotel komplex wird von vielen Passanten als „Verschlimmbesserung“ empfunden.

Nun, immerhin soll es einen Investor geben, der diesen Ort bebauen möchte. Aber über einen konkreten Entwurf ist noch nichts bekannt. Wäre es nicht einmal an der Zeit mutiger zu agieren und Höhe zu gewinnen? Dann würden aus den Solitären Brederohochhaus, Sparkasse und Telemoritz vielleicht Mitspieler in einem dichten, urbanen Raum, und der Ort wäre nicht länger die Rückseite Hannovers – ein Platz, wohin niemand gerne schaut.



Eins

Das Ihmezentrum in Hannover von der Spinnereistraße aus gesehen

Das Ihmezentrum, welches eigentlich mal zum Linden Park werden sollte (nur dem Namen nach, nicht das hier jetzt jemand falsche Hoffnungen hegt), gilt gemeinhin als schrecklicher, unattraktiver Ort in Hannover. Aber wenn man sich einmal die Zeit nimmt und um diesen Komplex herum wandert, hier und dort anhält, um mit klarem Blick und vorurteilsfreien Gedanken bestimmte Konfigurationen der Gebäudeteile und Zwischenräume anschaut, dann eröffnen sich einem überraschende Perspektiven und Ansichten, die eine eigene Ästhetik entwickeln.

Aber das ist gar nicht der Grund für dieses Bild in diesem Eintrag. Wichtiger ist die Ziffer, die sich darauf versteckt. Sie deutet auf folgendes hin: Hannovershots gibt es jetzt seit einem Jahr (okay, ein Jahr und zwei Tage). Ich hoffe, in der Zeit hatten ein paar von euch da draußen ein wenig Spaß an diesem Blog ;)

 



Dreiklang

Heizkraftwerk Hannover Linden im Umbau

Das Heizkraftwerk in Linden ist nicht zum ersten Mal Thema in diesem Blog. Aber ich bin darauf hin gewiesen worden, dass die drei warmen Brüder, wie sie im Volksmund genannt werden, derzeit besonders unterschiedlich aussehen. Der Grund liegt in der Modernisierung des linken Kesselhauses. Der Turm bekommt nach Abschluss der Arbeiten wohl einen ähnlich dicken Schlot, wie er auf dem rechten Turm schon vorhanden ist.

Ursprünglich hatten die Häuser gar keine Schornsteine. Als das Kraftwerk gebaut wurde, wollte man nicht mehr an die dreckig rauchenden Schlote der ehemaligen Industrieansiedlungen an diesem Uferteil der Ihme erinnern. Statt dessen sollten die drei Häuser an damals moderne Wohnblockkonzepte angelehnt sein. Dann entstand das Ihmezentrum, mit seinen deutlich höheren Türmen, und so mussten doch noch Schorsteine auf die Kesselhäuser gesetzt werden. Das Kraftwerk wurde damit zu einem Identifikationszeichen der Lindener.



Drehtor

Unkonventionell geschlossene Garage in Hannover

Ehrlich, hierzu fällt mir nicht viel ein. War es ein verunglückter Einparkversuch? Ein Windstoß zur falschen Zeit? Oder doch eine eklatante Fehleinschätzung der Funktionsweise so eines Garagentors? Wollte dort nur mal jemand das Innere nach Außen kehren oder ist es moderne Kunst, eine Form des Protestes gegen unsere so erbarmungslos das Funktionieren fordernde Gesellschaft, die doch gleichsam irgendwie in Schieflage geraten ist?

Welcher Buchstabe verbirgt sich wohl auf der nicht sichtbaren blauen Seite dieses gedrehten Tores. Und ist die Dopplung des Namens über der verdrehten Tür ein Hinweis auf ein anderes Ich, quasi eine Metapher für die verdrehte Seele des weiter links so geordnet lebenden Kens?

Hm, vielleicht ist mir auch einfach nur das Mensaessen heute nicht so bekommen...



Königsgrab

Königliches Mausoleum im Berggarten Hannover Herrenhausen

Trüb und ungemütlich zeigen sich die letzten Tage des Novembers in Hannover. Die meisten Blätter sind gefallen, es ist feucht und regnerisch - allerdings nicht so kalt wie sonst zu dieser Jahreszeit. Im Berggarten scheint sich das königliche Mausoleum unter dem grauen Himmel wegducken zu wollen.

Hier in dem zwischen 1842 und 1847 vom Hofbaumeister Georg Ludwig Friedrich Laves gebautem Grabmal sind Königin Friederike und König Ernst August von Hannover bestattet, mit Georg I ruht hier sogar ein König von England. Das Gebäude befindet sich noch heute im Besitz des Prinzen von Hannover und ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Allerdings wurden im Oktober 2008 einer begrenzten Anzahl von Besuchern die Möglichkeit gegeben, das Mausoleum zu besichtigen.


Das Mausoleum befindet sich auf einer Line mit der Hauptachse des Großen Gartens. Schaut man vom Gebäude aus nach Süden kann man derzeit noch bis zur Große Fontäne und darüber hinaus blicken. Das wird sich in einigen Jahren mit der Rekonstruktion des Schlosses im Großen Garten geändert haben.



Ruhestätte

Grabsteine auf Hannovers ältestem jüdischen Friedhof

Dicht an dicht stehen die Grabsteine auf Hannovers ältestem jüdischen Friedhof. Versteckt zwischen Christuskirche, Universitätsumfeld und Nordstadtausläufern finden sich hier auf einem steilen, von einer hohen Mauer umgebenen Hügel über 700 Grabsteine aus der Zeit vom 16. bis weit ins 19. Jahrhundert hinein. Der letzte gesetzte Grabstein datiert aus dem Jahre 1866.

Schon 1671 wurden Schutzsteine aufgestellt, die davor warnen den Friedhof zu Beschädigen oder zu Entweihen. Heute gilt er als Bau- und Kulturdenkmal, unter anderem sind hier Vorfahren des Dichters Heinrich Heine bestattet.

 



Ausgeblickt

Fensteröffnung am alten Kröpckecenter Hannover

Noch kann man an einigen Stellen die alte Gestaltung des Kröpckecenters im Herzen von Hannovers Innenstadt erkennen. Doch der Abriss der Fassadenelemente schreitet immer weiter voran, teilweise sind Löcher bis tief in die Eingeweide des Hauses gerissen worden. Gleichzeitig schließt sich das "Kröpckeloch", die Öffnung zur -1 Ebene, immer weiter. In ein paar Wochen wird es komplett geschlossen sein und damit ändert sich das Gesicht des Platzes wie zuletzt beim U-Bahn Bau der 1970er Jahre an dieser Stelle.

Bis das Center umgebaut ist, wird es noch ein paar Jahre dauern, wenn nicht Klagen von Anliegern den Umbau weiter verzögern. Diesen Ausblick wird es dann nicht mehr geben - aber vielleicht angenehmere Anblicke.



Abgedampft

alter Ringlokschuppen Hannover-Ost

Es gibt eigentümliche Orte in Hannover, die der Öffentlichkeit normalerweise nicht so einfach zugänglich sind. Manchmal, so wie jetzt zur ArchitekturZeit, gibt es dann aber doch Gelegenheiten dort hinein zu schauen. Wie in diesen alten Ringlockschuppen, in dem bis in die 60er Jahre hinein Dampflocks gewartet wurden. Er besteht aus zwei halbkreisförmigen Hallen mit Gleisanlagen und Wartungsgräben für bis zu 20 Lokomotiven und galt seinerzeit als das bedeutendste Schnellzugbetriebswerk Deutschlands.

Noch heute und morgen Abend kann man das inzwischen ungenutzte Gebäude besuchen und bei Licht- und Klanginstallationen die seltsame Atmosphäre erleben. Außerdem gibt es eine nette Bar vor Ort.



Aufgestellt

Das Riesenrad auf dem Schützenfest Hannover

Das größte transportable Riesenrad der Welt steht schon, denn am Freitag geht es los: das Schützenfest öffnet für zehn Tage seine Pforten. Auch das Schützenfest hat ein Superlativ zu bieten, es gilt als das größte Schützenfest der Welt. Außerdem wird es schon seit 1529 gefeiert, womit es wesentlich älter ist als das Münchner Oktoberfest. 

Eine Besonderheit ist das Nationalgetränk Hannovers, die Lüttje Lage. Eine Kombination aus Bier und Korn, die aus zwei oder drei Gläsern gleichzeitig getrunken wird. Besonders für ungeübte und Zugereiste eine spannende und lustige Angelegenheit.



Rundlauf

Tag der Architektur 2009 in Hannover - meravis Treppenhaus

Am Sonntag war wieder einmal Tag der Architektur in Hannover. Es war schon erstaunlich, wie viele Menschen sich auf den Weg gemacht haben, um einen selten mögliche Blick in allerlei aktuelle Bauprojekte zu werfen. Hannoveraner haten es dabei besonders gut. Viele Pbjekte lagen im Stadtgebiet verteilt und waren bequem per Stadtbahn oder Fahrrad erreichbar.

So auch das meravis Hauptquartier mit dem neuen, angrenzenden Wohngebiet Q'artis7 mitten in der Südstadt. Besonders stolz war man bei meravis, neben den Neubauten, auf das im Verwaltungsgebäude erhaltene Treppenhaus aus den sechziger Jahren. Außerdem gab es einen interessanten Blick von der Dachterasse über die Stadt zu erleben. Allerdings, an Hannovers Skyline muß wohl noch ein wenig gearbeitet werden.



Stadtwand

Lärmschutz zum Westschnellweg in Herrenhausen

Wie eine moderne Form der Stadtmauer wirkt diese Lärmschutzwand für den Westschnellweg in Herrenhausen. Die Stadt als Ort der Wohn- und Lebensqualität endet hier, dahinter dreht sich die Welt, zumindest für ein paar Meter, fast nur um den motorisierten Individualverkehr. Das Verkehrskonzept Hannovers mit den breiten Verkehrsachsen der Innenstadt und den außen liegenden Schnellwegen galt lange Zeit als vorbildlich - im Sinne der autogerechten Stadt. Aber leider produziert diese Art von Verkehrsräumen tiefe Einschnitte, Brüche und Grenzen im Stadtgefüge. Will man die überwinden, muss man sich oftmals durch regelrechte Un-Orte quälen, Brücken und Unterführungen, die um so mehr gewinnen, je weiter man sich von ihnen entfernen kann.

Einem dieser Un-Ort hat sich jetzt das Büro CITYFÖRSTER angenommen. Am Samstag zeigen es unter dem Titel PARK'N'RIDE die Umgestaltung der Unterführung des Bremer Damms an der Dornröschenbrücke von einem Nicht-Raum in einen urbanen Erlebnisraum.



Messezeiten

Shop auf dem Messegelände in Hannover

Diese Woche sind sie wieder geöffnet, die Shops und Läden auf dem hannoverschen Messegelände. Hier und da sind ungewöhnliche Besucher unterwegs. Besonders fallen die Messegäste auf, wenn es sich um Menschen aus dem fernen Osten handelt, Japaner, Chinesen oder Koreaner. Gestern geriet so ein asiatischer Geschäftsmann in eine Üstra-Fahrscheinkontrolle und mußt feststellen, daß sein Messeticket und somit sein gültiger Fahrschein, bei den Kollegen auf dem Messegelände liegt. Heute Morgen konnte ich hingegen zwei andere fernöstliche Besucher erleben, wie sie in einer Stadtbahn für einen einheimischen Renter ihren Platz räumten - und sich dann mit größter Höflichkeit gegenseitig den verbliebenen freien Platz anboten.

Trotzdem scheint viel vom Messeflair verloren gegangen zu sein. Früher wurden sogar die Busse und Bahnen mit Fahnen geschmückt. Heute ist die Messe für das Leben in der Stadt eine Randerscheinung. Irgendwie schade.

 



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