Mischwerk

Hochhaus Lister Tor, auch Bredero Hochhaus genannt, in Hannover

Wenn in Hannover über Architektur diskutiert wird, dann müssen Bauwerke wie das Ihmezentrum, das Kröpckecenter oder das hier abgebildete Hochhaus Lister Tor, allgemein auch Bredero Hochhaus genannt, als Beispiele dafür herhalten, dass die Architektur seit dem zweiten Weltkrieg nichts mehr taugt. Es gibt in Hannover einen Verein, der sich um die Rekonstruktion der Flußwasserkunst bemüht, im Großen Garten wird das Schloss von der VW-Stiftung wiederaufgebaut, es scheint, als habe zeitgenössische Architektur tatsächlich ein Akzeptanzproblem, das sich vor allem auf die Äußerlichkeiten dieser Architektur bezieht. Schönheiten sind alle drei Gebäudekomplexe nach heutigen ästhetischen Maßstäben nicht, wie das zum Zeitpunkt ihrer Entstehung war fällt mir schwer zu beurteilen. Aber hinter allen Gebäuden stehen Ideen und Konzepte, die eine Reaktion auf den vorhergehenden Zustand der Stadt waren. Manches an diesen Ideen ist noch heute aktuell und interessant.

Das Hochhaus an der Hamburger Allee ist derzeit eine Landmarke im Gefüge der Stadt. Entstanden ist es zwischen 1973-75 unter der Leitung des Büros Bahlo-Köhnke-Stosberg+Partner und erreicht mit seinen 23 Stockwerken eine Höhe von 91 Metern, womit es zu den höchsten Gebäuden der Stadt zählt. Nachdem sich die Nutzung als Gerichtszentrum zerschlagen hat, steht eine neue Vergabe der Büroflächen noch aus. Allerdings bietet das Gebäude in den oberen Etagen Wohnungen, die einen beeindruckenden Blick über Hannover zulassen, ein Parkhaus ist integriert und in der Erdgeschosszone gibt es eine Reihe von Geschäften und Clubs, im Untergeschoss ein Bowlingcenter. Diese Nutzungsmischung ist ungewöhnlich und macht die Besonderheit des Gebäudes aus.

3 Antworten zu Mischwerk

  1. 160 FS 30Dec09 20Uhr28

    Je nu, Ideen und Konzepte sind schön und gut, wenn sie aber zu einer optischen Zerstörung der Stadt fĂŒhren dann möchte man den Architekten frei nach Helmut Schmidt zurufen: "Wenn Du Visionen hast geh zum Arzt". Aber ich will ja nichtmal die Architekten von damals in den Mittelpunkt der Kritik stellen. Die hatten rĂŒckblickend betrachtet einfach das Problem, dass Brutalismus im Rahmen eines kollektiven Verblendungs-Anfalls als schick galt. VorwĂŒrfe sind in erster Linie der Stadtverwaltung zu machen die diese Brocken genehmigt hat (und den Conti-Campus, und den Sparkassen-Turm, und das Allianz-GebĂ€ude an der Langen Laube, und das Ärztehaus am Raschplatz, und und und ...). Die hat sich offensichtlich keine Gedanken darĂŒber gemacht, dass eine ansprechende Stadt langfristig ĂŒber aktuelle Trends und Moden hinausdenken muss um ein ertrĂ€gliches Erscheinungsbild zu haben. Sonst hĂ€tte es fĂŒr vieles keine Genehmigung gegeben.

  2. 161 Weber 05Jan10 14Uhr35

    Ich finde es albern zu sagen, daß jedes GebĂ€ude, das höher als der Durchschnitt ausfĂ€llt, gleich eine "optische Zerstörung der Stadt" hervorruft. Das ist aber fĂŒr dieses Land, mithin fĂŒr diese Stadt typisch - alles, was aus dem Durchschnitt herausfĂ€llt, wird sofort kritisiert. Daß diese Bauten eine wohltuende Abwechslung im sonstigen Einerlei, insgesamt also ein Beitrag zu einem interessanten, weil abwechslungsreichen Stadtbild, sind, das wird dabei ĂŒbersehen. Es ist halt Mode, diese Bauten zu kritisieren, und dann stimmt man eben in diesen "Chor" ein. Und weil man sich seine Meinung auch nicht von Sachkenntnissen trĂŒben lassen will, weiß man eben nicht, daß weder der Sparkassen-Turm noch das Ärztehaus im Stil des Brutalismus erbaut sind, aber darauf kommt es dann ja auch garnicht mehr an. (Der Conti Campus gehört schon erst recht nicht dazu, weil es den Brutalismus als Stilrichtung zu dieser Zeit noch gar nicht gab.) Hannover ist eine ansehnliche Stadt, auch und gerade wegen ihrer TĂŒrme - die ja auch zeichen von Aufbruch und Aufschwung sind.

  3. 475 Christian 04Jul10 15Uhr31

    Also meines Erachtens gehört das Hochhaus Lister Tor (Bredero-Hochhaus) zu den wenigen architektonisch interessanten GebĂ€uden in Hannover. Auch wenn der Zustand nicht in allen Details optimal ist, gehört es doch zu den wenigen zeitlosen und mit seinen klaren Linien auch eleganten GebĂ€uden des Hannovers der Nachkriegszeit. Auch weißt es nicht die postmodernen Fehlplanungen in Form toter RĂ€ume auf, die das Ihmezentrum etwas gespenstisch machen. Relativ zu den Bauten der 80er und 90er Jahre hat das GebĂ€ude wesentlich mehr Charakter und Stil. Auch ist es nicht so billig in seiner Formsprache, wie etwa die Neubauen am Raschplatz (Kaufland), das ECE (auf dem GelĂ€nde der ehemaligen Post) oder das neue Kröpcke-Center, fĂŒr das man sich wirklich schĂ€men muss. Niemand wird sagen können, dass letzteres hĂ€sslich ist - denn das stimmt nicht. Aber es ist - und das ist das einzige was vielleicht noch schlimmer ist - einfach mittelmĂ€ĂŸig. Und dies ist genau das, was die grĂ¶ĂŸte Bedrohung fĂŒr diese meines Erachtens sehr lebenswerte Stadt ist: sie hatte und hat heute umso mehr einen gewissen Hang zur MittelmĂ€ĂŸigkeit! WĂ€r schade, wenn dies so weiter ginge! Mehre Bredero und weniger ECE wĂ€r da vielleicht gar nicht so verkehrt...

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